Zur Einführung in die Kapitalismuskritik – Vortrag und Diskussion mit Nadja Rakowitz

Mi | 18. Mai | 19:00 Uhr
Haus Akzent
Hüxstraße 83 – 85

Eintritt: frei


»Es kommt darauf an, Marx nicht mit den Augen des ökonomischen Fachmanns zu sehen, sondern mit denen eines Menschen, der weiß, daß er in der verkehrten Gesellschaft lebt und die richtige Gesellschaft will.«

Max Horkheimer

Dem Alltagsbewusstsein wie der Wissenschaft gilt Marx in erster Linie als „toter Hund“.
Wenn es auch von Zeit zu Zeit, nämlich immer dann, wenn der krisenhafte Charakter des Kapitalismus sich offenbart, zu sog. „Marx-Renaissancen“ kommt, bestehen diese meist nur darin, den Toten in den bürgerlichen Bildungskanon aufzunehmen und ihn dadurch – weit effektiver als durch jeden Antikommunismus – unschädlich zu machen. Seine Kritik wird dann hin und wieder als weitsichtig und teilweise aktuell gelobt, im Wesentlichen aber zu einer Zitatsammlung degradiert, welche immer, wenn es mal aufzutrumpfen gilt, als hilfreich erachtet wird.
Dies ist jedoch die notwendige Folge, wenn der Polemiker gegen die falschen Verhältnisse zum »Propheten« (ZEIT) der kapitalistischen Entwicklung auserkoren wird, schließlich kündet ein Prophet nur von dem, was sich ohnehin nicht abwenden lässt.

Doch auch von linker Seite wird dem, der sich nicht mehr dagegen wehren kann, solcherlei »Würdigung« angetan. So berufen weite Kreise sich zwar auf die Kapitalismuskritik Marxens, können jedoch nichts Verkehrtes darin finden, in der politischen Praxis ausschließlich die Gier der Manager anzuprangern, den Niedergang der sozialen Marktwirtschaft zu beklagen oder vom Staat eine bessere Regulierung der Finanzmärkte zu fordern (das höchste der Gefühle in diesem Zusammenhang: die Tobin-Steuer). Auch hier muss Marx – und vor allem sein Frühwerk – als Phrasenfundus zur Kaschierung der eigenen theoretischen Ahnungslosigkeit herhalten.

Um darzustellen, wie aktuell die Kritik der politischen Ökonomie Marxens nach mehr als 140 Jahren leider immer noch ist, um aufzuzeigen, dass eine Auseinandersetzung mit ihr daher der Mühe lohnt, und um eine Beschäftigung mit kritischer Theorie anzuregen, den Zugang zu ihr außerdem zugleich ein wenig zu erleichtern, laden die Gruppe Sur l’eau und das Lübecker Bündnis gegen Rassismus alle Interessierten herzlich zum Vortrag und zur anschließenden Diskussion mit Nadja Rakowitz ein.

Nadja Rakowitz ist Sozialwissenschaftlerin und hat 2000 ihre Dissertation »Einfache Warenproduktion. Ideal und Ideologie« beim ça-ira-Verlag veröffentlicht. Außerdem ist sie Geschäftsführerin des Vereins Demokratischer Ärztinnen und Ärzte und Redakteurin der Zeitschrift »express«, Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit.